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Andreas Krämer - Heimspiel mit Walser

Dominik Heitz

Herb und gut: «Ein erfundener Tag im Leben des Schriftstellers Robert Walser.» War er ganz langsam verschwunden und im Schnee still erloschen, so wie seine Schrift immer kleiner wurde, bis sie fast eins mit der Struktur des Papiers wurde? Oder war da nicht doch immer wieder dieses aufmüpfige Spiel mit dem Hier und Jetzt und dem Dort und Danach? «Ich nahm mir vor, mich ein bisschen zu verspäten. Nicht wahr, man erwartet einen dann. Man sorgt sich: wo bleibt er?» Die ironischen, wie kleine Nadelstiche pieksenden Worte sind nicht etwa aus der Luft gegriffen, sie entstammen der Feder des Schriftstellers Robert Walser (1878-1956). Doch sind sie völlig willkürlich, wenn auch äusserst passend an den Anfang der Theaterproduktion «Alles für die Katz - ein erfundener Tag im Leben des Schriftstellers Rober Walser» gestellt. Der Basler Schauspieler Andreas Krämer sagt sie in der Rolle des Robert Walser so beiläufig dahin - und doch mit leiser Freude über den gelungenen Einfall, das Publikum damit überraschen zu können. Denn so stellen wir uns Robert Walser nicht unbedingt vor. Wie überhaupt der Theaterabend den Schweizer Schriftsteller in einer Lebendigkeit zeigt, die so gar nicht zu den Bildern passt, die man von ihm kennt - jene Fotos, auf denen Walser ernst, mit Augenschatten und etwas entrückt zur Seite oder auf den Boden schaut. Krämer löst Walser aus der fotografischen Statik heraus, gibt der Figur eine Dynamik und interpretiert Walsers in Worte formulierte Gedanken forsch und zurückhaltend zugleich. Gegensätze reiben sich an diesem Abend auf überraschende Weise: Laute und leise Worte treffen plötzlich heftig aufeinander, raue Geigenbogentöne legen sich über weiche Klavierklänge, Arme greifen aus, um alsbald wieder steif am Oberkörper zu kleben. Expressiv-Surreales wechselt mit Real-Komischem: Er spricht von «lauthallender Schweigsamkeit» und «gezückten Messern, die die Füsse kitzeln», denkt an Pferde und Kühe, die man «Grasfresser nennen kann». MIEZENALPHORN. Regisseur Boris Pfeiffer und Schauspieler Krämer haben aus zahlreichen Arbeiten Walsers einen Bühnenmonolog von herber Frische zusammengestellt, der sich in einem kleinen, von Musikinstrumenten und Möbeln verstellten Zimmer entfaltet. Da steht er, sitzt er, Walser, der Stubenhocker, findet alles für die Katz, nennt deshalb auch die Mitwelt Katz, denkt über die Liebe nach und fürchtet sich vor der Farbe Grün, die ihm Einsamkeit und Planeten-Verlorenheit bedeutet. Zwischen Klavier, Schaukelpferd und Schreibpult bewegt er sich, steigt übers Alphorn und rückt in manischer Anwandlung immer wieder den Bürostuhl zurecht. Herrscht Stille und horcht er in sich hinein, zieht sich seine Dachkammer zu einem engen Stübchen zusammen, in dem wir keinen Platz mehr haben. Sitzt er am Klavier und stimmt eine berührende Melodie an oder lässt melancholische Alphornklänge nachhallen, scheint sich die Kammer für uns ins Endlose auszuweiten.

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