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Andreas Krämer - Heimspiel mit Walser
Der Schauspieler und Musiker tritt diese Woche in seiner Heimatstadt auf.
Morgens in Karlsruhe bei den Proben zu «Wilhelm Tell», am Abend mit einem Einmann-Stück über den Schriftsteller Robert Walser auf der Teufelhof-Bühne in Basel: Andreas Krämer hat es zurzeit streng. Doch als freischaffender Schauspieler muss der gebürtige Basler flexibel sein.
Seine Ausbildung hatte Krämer in den 80er Jahren in Zürich und Basel gemacht. 1986 erhielt er bei Peter Zadek in Hamburg sein erstes Engagement.
Weitere Stationen waren das National Theater Mannheim und das Schauspielhaus Zürich. «Ich wollte damals eigentlich nicht aus Basel weg», meint Krämer, «und schon gar nicht an ein grosses Theater.» Zehn Jahre später fiel es ihm dann doch schwer, in die Schweiz zurückzukehren. Mit seiner Frau und dem dreijährigen Sohn wohnt er heute in Zürich. Die Familie überlegt sich, in die Nähe von Basel zu ziehen.
Sein aktuelles Stück «Für die Katz – ein erfundener Tag im Leben des Schriftstellers Robert Walser» hat Krämer mit Boris Pfeiffer verfasst, der für Regie und Dramaturgie verantwortlich ist. «Ein Jahr lang lasen wir Walser-Texte und töggelten jene Stellen in den Computer, die uns interessierten», erzählt er. «Nach einem Jahr hatten wir rund 600 Seiten zusammen, also rund 14 Stunden Walser.»
Pfeiffer kürzte den Text schliesslich zu einer Bühnenfassung zusammen, in der nun die wichtigsten Stationen aus Walsers Leben enthalten sind. Entstanden ist ein erfundener Tag im Leben von Robert Walser, der am Schluss sozusagen aufbricht. «Walser räumt auf der Bühne seine Sachen zusammen», so Krämer. Wohin dieser Aufbruch führt – in den Tod, in die Anstalt oder auf eine Reise –, bleibt dem Publikum überlassen.
Worte und Musik
Eine zweite Ebene fügt Krämer dem Stück über die Musik bei: «Ich versuche Klänge zu entwickeln, die Fortsetzungen oder Vorsätze von Gedanken sind.» Er sehe die Musik als Bestandteil von Walsers Ringen, einen Satz zu Papier zu bringen. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem ein umgebautes Klavier, ein Alphorn und eine Ballonpumpmaschine.
Krämer wird auch nach den Aufführungen in Basel viel zu tun haben: Eines seiner nächsten Projekte ist ein Kinofilm, der in Basel gedreht wird. «Darüber darf ich allerdings noch nichts erzählen», erklärt er. «Jetzt freue ich mich erst einmal auf dieses Heimspiel.»

Andreas Merz

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